Führung & Lebensübergänge
Abschied vom Titel: Warum die Pensionierung Führungspersonen besonders fordert
Wer lange Verantwortung getragen hat, verliert mit dem letzten Arbeitstag mehr als eine Funktion.
Kernaussage
Bei Menschen in Führungspositionen ist die Funktion oft eng mit der eigenen Identität verwoben. Fällt der Titel weg, taucht eine leise Frage auf: Wer bin ich, wenn niemand mehr auf meine Entscheidung/Begleitung wartet? Diese Frage verdient Aufmerksamkeit, am besten lange vor dem letzten Arbeitstag.
Das Wichtigste in Kürze
- Führung gibt Struktur, Bedeutung und das Gefühl, gebraucht zu werden
- Je stärker sich jemand über die Rolle definiert hat, desto grösser ist die Lücke danach
- Der Übergang ist keine Schwäche; er will bewusst gestaltet werden
- Führungspersonen sprechen selten über diese Unsicherheit, das macht sie einsamer und verletzlicher
- Wer früh hinschaut, verankert den eigenen Wert neu, bevor der Boden fehlt
Wenn der Kalender plötzlich leer ist
Eine Führungsrolle strukturiert den Tag von selbst. Es gibt Entscheidungen, die anstehen. Menschen, die eine Antwort brauchen. Sitzungen, in denen man den Ton und die Inhalte (mit)bestimmt. Über Jahre gibt diese Verantwortung dem Alltag einen klaren Takt und der Person Sicherheit und ein Gefühl des Gebrauchtwerdens.
Mit der Pensionierung fällt dieses Gerüst an einem einzigen Tag weg. Der Kalender, der jahrelang zu voll war, ist mit einem Mal leer. Was von aussen wie verdiente Ruhe aussieht, fühlt sich innen manchmal wie ein Verlust an. Das ist keine Undankbarkeit. Es ist ein Hinweis darauf, wie viel die Rolle getragen hat.
Warum die Pensionierung Führungskräfte oft stärker fordert
Wer führt, wird über die Funktion sichtbar. Man ist die Person, die entscheidet, also Verantwortung übernimmt und unter Umständen den Kopf hinhält, die vorangeht. Dieses Bild prägt über die Jahre auch das eigene Selbstverständnis. Man ist, was man leitet.
Genau hier liegt die Herausforderung des Übergangs. Je enger der eigene Wert an die Funktion geknüpft war, desto spürbarer wird die Lücke, wenn die Funktion endet. Der Verstand weiss, dass ein Leben ohne Titel weitergeht. Das Gefühl braucht länger, um das zu begreifen.
Dazu kommt ein zweites Muster. Führungspersonen sind es gewohnt, Halt zu geben, selten ihn zu suchen. Über die eigene Unsicherheit zu sprechen, passt nicht in das Bild, das man jahrelang verkörpert hat. So bleibt vieles ungesagt und der Übergang wird einsamer, als er sein müsste.
Der eigene Wert jenseits der Funktion
Die eigentliche Arbeit in dieser Phase ist eine leise Verschiebung. Weg von der Frage, was ich noch leiste, hin zur Frage, wer ich bin, wenn der Titel wegfällt. Was bleibt, sind Erfahrung, Haltung, Beziehungen und die Fähigkeit, Menschen etwas mitzugeben. Nichts davon steht auf einer Visitenkarte und alles davon trägt weiter.
Für viele wird dieser Übergang zur Chance, Dinge zu tun, für die im Berufsleben nie Raum war. Ein Mentorat für Jüngere. Ein ehrenamtliches Engagement. Zeit für Menschen, die zu kurz gekommen sind. Das entsteht selten von selbst. Es entsteht, wenn man sich die Frage bewusst stellt und ihr Raum gibt.
Was Führungspersonen in dieser Phase häufig beschäftigt:
Was Coaching in dieser Phase leisten kann
Ich begleite Führungspersonen im Berner Oberland sowie im ganzen deutschsprachigen Raum beim Übergang von der beruflichen Tätigkeit in den Ruhestand. Der Übergang lässt sich nicht wegplanen wie ein Projekt. Er will begleitet werden. Manchmal hilft ein Gegenüber, das nicht Teil des bisherigen Systems ist und keine Erwartung an die alte Rolle/Funktion mitbringt. Ein Raum, in dem man laut denken darf, ohne Haltung zu bewahren.
Coaching bedeutet nicht, dass etwas repariert werden müsste. Es beinhaltet viel mehr, sich die Zeit zu nehmen für Fragen, die über Jahre keinen Platz hatten. Ich gebe Ihnen dabei keine Antworten vor. Ich stelle die Fragen, die Sie sich vielleicht noch nicht gestellt haben und begleite Sie, während Sie Ihre eigenen finden. Sie sind in Bewegung, ich begleite.
Häufig gestellte Fragen
Ich freue mich auf die Pensionierung. Brauche ich das überhaupt?
Vorfreude und offene Fragen schliessen sich nicht aus. Diese Begleitung stellt Ihre Freude nicht in Zweifel. Sie hilft dabei, dass die schöne Seite auch trägt, indem Sie sich rechtzeitig mit dem befassen, was im vollen Berufsleben keinen Raum hatte. Es braucht keine Krise, um anzufangen.
Wann ist der beste Zeitpunkt, vor oder nach der Pensionierung?
Beides ist möglich, doch früher ist meist besser. Wer ein bis zwei Jahre vor dem Übergang beginnt, klärt die Fragen in Ruhe, bevor die Veränderung eintritt. Wer bereits pensioniert ist und merkt, dass der neue Alltag noch nicht trägt, ist genauso willkommen.
Ist das eine Therapie?
Nein. Ich bin Coach und Mediator, kein Therapeut. Die Begleitung richtet sich an Menschen, die handlungsfähig sind und diesen Übergang bewusst gestalten wollen. Sollte im Gespräch deutlich werden, dass eine therapeutische Begleitung sinnvoller wäre, spreche ich das offen an und verweise weiter.
Was kostet die Begleitung?
Eine Sitzung kostet 130 CHF. Das Erstgespräch ist kostenlos, dauert 30 bis 60 Minuten und verpflichtet zu nichts. Es gibt keine Mindestanzahl von Sitzungen und keinen Vertrag.
Der nächste Schritt muss kein grosser sein.
Ein erstes Gespräch kostet nichts und verpflichtet zu nichts. Wenn Sie sich beim Lesen wiedererkannt haben, reicht eine kurze Nachricht. Den Rest schauen wir gemeinsam an.
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