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Lebensübergänge & Neuorientierung

Was passiert, wenn die Arbeit aufhört?

Die Pensionierung ist die grösste Veränderung im Erwachsenenleben – und oft die am wenigsten vorbereitete.

Kernaussage

Die Pensionierung ist kein automatischer Einbruch, jedoch ein tiefer Einschnitt. Wer sich jahrzehntelang über die Berufsrolle definiert hat, steht nach dem letzten Arbeitstag vor Fragen wie: Was mache ich jetzt? Wer bin ich denn eigentlich? Fragen, die es verdienen, mehr Aufmerksamkeit zu erhalten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Arbeit gibt nicht nur Einkommen, sie gibt Rolle, Struktur und Identität
  • Der Wegfall dieser Rolle ist eine psychologische Herausforderung, die oft unterschätzt wird
  • Pensionierung ist keine Krise, aber ein Übergang, der aktiv gestaltet werden will
  • Besonders Männer erleben den Verlust der Berufsidentität als «Empty-Desk-Syndrom» (siehe unten)
  • Eine frühe Begleitung in dieser Phase lohnt sich, nicht erst, wenn der Boden fehlt

Der Moment, den man nicht kommen sieht

Viele Menschen planen die Pensionierung finanziell sorgfältig. Sie wissen, wie viel sie aus der Pensionskasse erhalten, ob ein Ferienhaus infrage kommt, ob die Rente reicht. Was sie weniger planen: wie es sich anfühlt, wenn der Wecker zum ersten Mal klingelt und man nicht mehr aufstehen muss.

Das klingt harmlos. Ist es aber nicht.

Die Berufsrolle ist für die meisten Menschen über Jahrzehnte der Anker ihrer Identität. Man ist Arzt/Ärztin, BauleiterIn, LehrerIn, UnternehmensführerIn. Man ist Teil von etwas. Man wird gebraucht. Man weiss, wohin man gehört. Dieser Anker fällt am Ende des letzten Arbeitstages weg. Und niemand hat gesagt, was danach kommt.

Was die Forschung sagt und was sie nicht sagt

Die Psychologie ist hier klar: Erwerbstätigkeit ist nicht nur Einkommensquelle. Sie verleiht Rolle und Identität. Ihr Verlust ist eine dokumentierte psychologische Herausforderung, die eine aktive Neuerfindung der eigenen Person erfordert.

Das bedeutet nicht, dass die Pensionierung zwingend in eine Krise führt. Forschung zeigt, dass der Übergang sehr unterschiedlich verläuft. Schwierigkeiten entstehen vor allem dann, wenn der Ruhestand mit anderen Einschnitten zusammenfällt: dem Auszug der Kinder, dem Tod von Gleichaltrigen, gesundheitlichen Veränderungen. Oder wenn man nie die Zeit hatte, sich zu fragen, was man eigentlich will, wenn das Berufsleben nicht mehr antwortet.

Was viele beschreiben, ist ein Gefühl der Leere. Manchmal Traurigkeit. Manchmal Orientierungslosigkeit. Nicht weil das Leben schlechter geworden ist, sondern weil der Rahmen fehlt, der bisher alles zusammengehalten und bestimmt hat.

«Man muss sich neu erfinden und das kann eine emotional heikle Herausforderung darstellen.»

Das Empty-Desk-Syndrom

Besonders Männer, die ihre gesamte Identität über Leistung und Funktion aufgebaut haben, kennen das Phänomen: Der Schreibtisch ist leer. Die Termine fallen weg. Das Telefon klingelt nicht mehr. Und mit dem Kalender verschwindet auch das Gefühl, relevant zu sein.

Das «Empty-Desk-Syndrom» ist kein medizinischer Begriff, aber ein treffendes Bild für etwas, das sich sehr real anfühlt. Man hat für das Aufhören nie geübt. Man hat jahrzehntelang geliefert und funktioniert. Und nun ist die Aufgabe: gar nichts zu müssen. Das fühlt sich für viele Menschen nicht wie Freiheit an, sondern wie Verlust.

Frauen erleben diesen Übergang oft anders, häufig mit mehr sozialen Netzwerken ausserhalb der Arbeit, häufig in anderen Rollen. Aber auch für sie stellen sich nach dem Berufsleben Fragen, auf die der Alltag lange keine Antwort brauchte.

Was in dieser Phase auf dem Spiel steht

Es geht nicht nur um Einzelpersonen. Die Pensionierung verändert auch das Zusammenleben. Paare, die über Jahrzehnte parallel gearbeitet haben, finden sich plötzlich in einer neuen Situation: 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche zusammen. Gewohnheiten, über die nie geredet werden musste, werden sichtbar. Rollen, die stillschweigend verteilt waren, werden neu verhandelt.

Was beschäftigt Menschen in dieser Phase wirklich?

Identität Wer bin ich, wenn ich nicht mehr Arzt/Ärztin, ManagerIn, LehrerIn, etc. bin?
Sinn Womit füllt man die Zeit, wenn sie nicht mehr verplant ist?
Beziehung Wie verändert sich das Zusammenleben, wenn beide zu Hause sind?
Struktur Was ersetzt den Rhythmus, den die Arbeit gegeben hat?
Relevanz Wie bleibt man in Verbindung mit anderen, ohne den beruflichen Kontext?
Rückblick Was habe ich gemacht? Was hat es bedeutet? Was bleibt?

Was Begleitung in dieser Phase leisten kann

Die Pensionierung ist kein Problem, das gelöst werden muss. Aber sie ist ein Übergang, der gestaltet werden will. Und Gestaltung braucht Raum, Fragen und manchmal ein Gegenüber, das nicht Teil des eigenen Systems ist.

Coaching in dieser Phase bedeutet nicht, dass etwas falsch läuft. Es bedeutet, dass man sich die Zeit nimmt, für etwas, das Aufmerksamkeit verdient: die eigene nächste Lebensphase.

Was trage ich aus dem Berufsleben mit? Was lasse ich zurück? Was will ich wirklich? Und wie beginne ich, das zu leben?

Diese Fragen lassen sich allein stellen. Aber sie entfalten ihre Wirkung leichter in einem Gespräch, das nicht bewertet, nicht berät und nicht drängt. Sondern hinschaut.


Häufig gestellte Fragen

Für wen ist Coaching rund um die Pensionierung geeignet?

Für Menschen, die spüren, dass der Übergang in den Ruhestand mehr ist als eine Änderung des Stundenplans. Für alle, die sich fragen, wie die nächste Lebensphase aussehen soll – und die das lieber in Begleitung erkunden als allein. Es braucht keine Krise, um anzufangen.

Wann ist der beste Zeitpunkt: vor oder nach der Pensionierung?

Beides ist möglich, aber früher ist besser. Wer ein bis zwei Jahre vor dem Renteneintritt beginnt, hat Zeit, Fragen in Ruhe zu klären, bevor die Veränderung eintritt. Wer bereits pensioniert ist und sich im Übergang schwertut, ist genauso willkommen.

Kann man Coaching auch als Paar in Anspruch nehmen?

Ja. Die Pensionierung verändert das Zusammenleben und manchmal ist es sinnvoller, diese Veränderung gemeinsam anzuschauen als allein. Ich begleite auch Paare in dieser Übergangsphase.

Was kostet das?

Eine Sitzung kostet 130 CHF. Das Erstgespräch ist kostenlos, dauert 30 bis 60 Minuten und verpflichtet zu nichts. Es gibt keine Mindestanzahl von Sitzungen.

Was unterscheidet Ihr Angebot von anderen Anbietern?

Ich bin kein Seminaranbieter und kein institutioneller Dienst. Ich begleite persönlich, vor Ort, im Berner Oberland und der Region. Als Coach und Mediator kann ich je nach Thema unterschiedliche Zugänge einbringen. Die Begleitung ist so lang wie sinnvoll und so kurz wie möglich.

Der nächste Schritt muss kein grosser sein.

Ein erstes Gespräch kostet nichts und verpflichtet zu nichts. Wenn Sie sich beim Lesen wiedererkannt haben, reicht eine kurze Nachricht. Den Rest klären wir im Gespräch.

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Beni von Gunten ist Coach und Begleiter für Lebensübergänge mit Sitz in Interlaken. Er arbeitet mit Menschen, die sich in einer Phase befinden, in der sich etwas grundlegend verändert: beruflich, persönlich oder beides gleichzeitig. Als ausgebildeter Integraler Coach (ECA, living sense Bern) und Organisationsentwickler bringt er sowohl fachliche Tiefe als auch Lebenserfahrung mit. Er kennt Übergangsphasen nicht nur aus der Theorie, sondern aus der Praxis: als Pädagoge, als Sportfunktionär, als Mensch.
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