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Coaching & Führung

Wenn Führen einsam wird

Warum Führungspersonen selten um Hilfe bitten und was es kostet, wenn sie zu lange warten.

Kernaussage

Führungspersonen tragen oft eine doppelte Last: Sie müssen die eigene Belastung meistern und gleichzeitig ihr Team stützen. Dabei haben sie weniger Vertraute als andere. Hilfe zu suchen, fühlt sich für viele nach Schwäche an. Genau das ist das Problem.

Das Wichtigste in Kürze

  • Führungspersonen sind sichtbar, aber oft allein
  • Die doppelte Belastung in Drucksituationen wird strukturell unterschätzt
  • Coaching wird mit Schwäche gleichgesetzt, ein Missverständnis mit Folgen
  • Wer früh hinschaut, bleibt handlungsfähig. Wer wartet, verliert Optionen.
  • Das Erstgespräch kostet nichts und verpflichtet zu nichts

Die Situation, die niemand beschreibt

Man sitzt in einer Sitzung, nickt, gibt die Richtung vor. Danach schreibt man E-Mails. Man trifft Entscheide. Man motiviert. Man schlichtet. Man liefert.

Und abends, wenn alle anderen gegangen sind, sitzt man manchmal mit dem Gefühl da: Ich weiss nicht mehr genau, wohin das alles führt. Aber ich kann das jetzt niemandem sagen.

Nicht dem Team. Das braucht Orientierung, keine Zweifel der Führungsperson. Nicht den Vorgesetzten. Das könnte als Schwäche ausgelegt werden. Nicht den engsten Vertrauten privat. Sie sind bereits belastet genug, oder sie verstehen die berufliche Seite nicht von innen.

Das ist die Einsamkeit, von der hier die Rede ist. Nicht die Einsamkeit des sozialen Rückzugs. Sondern die strukturelle Einsamkeit einer Rolle, in der man viel gibt und wenig zurückbekommt.

Die doppelte Last in Drucksituationen

Was Führungspersonen in schwierigen Phasen tragen, ist selten nur eines. Es ist beides gleichzeitig: die eigene Belastung und die Verantwortung für das Team.

Man muss mit der eigenen Unsicherheit umgehen, während man nach aussen Klarheit ausstrahlt. Man muss die eigenen Emotionen regulieren, während man die Emotionen des Teams auffängt. Man muss Entscheide treffen, obwohl man selbst noch keine Antworten hat.

Das ist keine persönliche Schwäche. Es ist eine strukturelle Herausforderung, die mit der Rolle kommt. Und es ist genau der Punkt, an dem ein Gegenüber von aussen mehr leistet, als jedes interne Gespräch.

«Ich brauche keinen Rat. Ich brauche jemanden, der zuhört, ohne etwas davon zu wissen oder davon zu haben.»

Warum Führungspersonen trotzdem warten

Die Hemmschwelle ist real. Sie hat Namen:

«Wenn ich Coaching brauche, heisst das, ich bin nicht gut genug für diese Rolle.»
«Das Problem löst sich mit der Zeit von alleine. Es war schon immer so.»
«Ich habe keine Zeit. Und ausserdem: Wer übernimmt die Verantwortung, wenn ich eine Stunde weg bin?»
«Was, wenn jemand davon erfährt? Das sieht nicht gut aus.»

Jede dieser inneren Stimmen ist verständlich. Und keine davon ist ein Argument gegen Coaching. Sie sind vielmehr ein Spiegel der Kultur, in der viele Führungspersonen arbeiten: einer Kultur, die Stärke belohnt und Verletzlichkeit bestraft.

Coaching ist kein Eingeständnis, dass etwas falsch läuft. Es ist eine Entscheidung, hinzuschauen, bevor etwas schiefläuft.

Was sich verändert, wenn man anfängt hinzuschauen

Das Erstgespräch ist oft der schwierigste Schritt. Nicht weil es unangenehm wäre, sondern weil es der erste Moment ist, in dem man sich selbst erlaubt, die Situation so zu beschreiben, wie sie wirklich ist.

Ohne Agenda. Ohne das Gesicht zu wahren. Ohne gleichzeitig an die Wirkung auf andere zu denken.

Was danach kommt, ist kein Programm und kein Rezept. Es ist ein Prozess, in dem Klarheit entsteht. Über die eigene Rolle. Über das, was wirklich wichtig ist. Über Entscheide, die man schon lange kennt, aber noch nicht getroffen hat.

Ich gebe keine Ratschläge. Ich stelle Fragen, die Sie sich selbst noch nicht gestellt haben. Die Antworten kommen von Ihnen.


Häufig gestellte Fragen

Ist Coaching nicht eher etwas für Menschen mit Problemen?

Nein. Coaching richtet sich an Menschen, die funktionieren, aber klarer sehen wollen. Viele Menschen kommen nicht in einer Krise, sondern in einer Phase, in der sie merken, dass sie allein nicht mehr so weit kommen wie früher. Das ist kein Problem. Das ist Klarheit.

Bleibt das vertraulich?

Vollständig. Was im Coaching besprochen wird, bleibt im Coaching. Es gibt keine Berichte an Vorgesetzte, keine Zusammenfassungen für HR, keine Weitergabe an Dritte. Vertraulichkeit ist die Grundlage, auf der Coaching überhaupt funktioniert.

Was, wenn mein Arbeitgeber das Coaching bezahlt?

Auch dann bleibt der Inhalt vertraulich. Der Arbeitgeber erfährt, dass Coaching stattgefunden hat. Mehr nicht. Worüber gesprochen wurde, bleibt zwischen uns. Es sei denn, wir vereinbaren etwas anderes.

Wie unterscheidet sich das von einem Gespräch mit einer Vertrauensperson?

Vertraute haben eine eigene Perspektive, eine eigene Beziehung zu Ihnen und meistens auch ein eigenes Interesse am Ausgang. Ein Coach hat keines davon. Er ist allparteilich und strukturiert. Er hilft Ihnen zu sehen, was Sie selbst noch nicht sehen.

Sie müssen das nicht allein tragen.

Ein erstes Gespräch kostet nichts, dauert 30 bis 60 Minuten und verpflichtet zu nichts. Wenn etwas in diesem Beitrag bekannt vorgekommen ist, reicht eine kurze Nachricht.

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Beni von Gunten ist Coach und Organisationsentwickler mit Sitz in Interlaken. Seit über zehn Jahren begleitet er Führungspersonen, die unter Druck geraten sind, den Überblick verloren haben oder einfach wieder klarer sehen wollen. Er weiss aus eigener Erfahrung, was es bedeutet, Verantwortung zu tragen: als langjähriger Leiter Nachwuchs beim FC Thun Berner Oberland und als Leiter Préformation bei den BSC Young Boys Bern hat er selbst geführt, entschieden und Rechenschaft abgelegt. Heute begleitet er andere auf diesem Weg.
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